Auch für HDTV gab es anfangs keine
Digitalanschlüsse, obwohl dies technisch im Zeitalter
der Beamer und Flachbildschirme mit
Computerschnittstelle durchaus angebracht wäre - doch
auch am PC werden LC-Bildschirme meist noch analog mit
VGA-Kabeln verdrahtet, weil billige Grafikkarten und
Monitore nur diesen Anschluss bieten. Dummerweise
schaffen ebenso billige VGA-Kabel dann meist kein
scharfes und störungsfreies Bild auf den guten
Flachbildschirm. Und: Die Digital-Schnittstelle DVI
besitzt keinen Kopierschutz. Der kommt erst mit HDMI.
Und an dem wurde so lange herumspezifiziert, dass die
Hersteller schließlich lieber gar keine digitale
Schnittstelle mehr einbauten denn die falsche.
Stattdessen wurde das aus dem
amerikanischen Raum und von Beamern bekannte System mit
drei Videokomponenten - Y, Cr, Cb - auf HDTV-Frequenzen
erweitert: Ähnlich Computer-Multifrequenzmonitoren
wurden nun eben statt 640 x 480 Pixeln effektiv
(nominell 525 Zeilen) bei NTSC oder 720 x 576 Pixeln
effektiv bei PAL (nominell 625 Zeilen) Signale mit 1280
x 720 Pixeln oder der höchsten HDTV-Auflösung von 1920 x
1080 Pixeln erzeugt, die dann aber nicht mehr
gleichzeitig, sondern wie beim Normalfernsehen
abwechselnd mit 2 x 540 Zeilen übertragen werden. Trotz
höherer Pixelzahl wird dies nicht unbedingt als besser
empfunden, die meisten Tester empfinden 1280 x 720 als
angenehmer, obwohl dieses "halbe HDTV" bei der
Zeilenzahl nur 25% mehr Auflösung bietet als PAL.
Moderne LCD-Bildschirme können schon HDTV
Diese Signale können viele aktuelle
LCD-Fernseher wie der
Sharp
LC-37HV4 bereits
wiedergeben: Mit 1366 x 768 kann er beide HDTV-Formate
brauchbar darstellen und ist zudem für das gängige
XVGA-Format von Computern mit 1024 x 768 Pixeln genau
passend - gut für Präsentationen aller Art, ob nun
digitale Diashow im Wohnzimmer oder Powerpoint im Büro.
Neuere LCD-Geräte haben auch echte 1920 x 1080 Pixel.
Ebenso können auch manche Beamer diese Auflösungen -
natürlich sind dies nicht gerade die billigsten Modelle.
Damit hätte HDTV nun unerwartet wieder eine echte
Chance. Plasmadisplays sind dagegen zwar größer, haben
aber oft gerade 480 Zeilen für die US-Norm NTSC und
können so noch nicht einmal das hiesige PAL-Signal ohne
qualitätsmindernde Interpolationen darstellen.
In den USA und Japan ist HDTV bereits
durchaus verbreitet - in den USA wegen der normalerweise
eher miesen Standard-Fernsehsignale in NTSC (gern
verspottet als Never The Same Color
- "nie dieselbe Farbe") und der traditionell riesigen
Fernseher, auf dem miese Signale ganz besonders
auffallen; in Japan wiederum wegen der
Technikverspieltheit der Asiaten. So sind in den USA
nach Salon.com bei insgesamt 110 Millionen
Fernsehhaushalten 2003 bereits 8 Millionen mit HDTV
versorgt gewesen und bis Ende 2008 werden 80 Millionen
erwartet - nur die Dritt- und Viertfernseher in der
Küche werden dann noch kein HDTV können. Bei
internationalen Fernsehübertragungen wird HDTV daher
Pflicht - Fernsehbilder der Fußball-WM 2006 wären in PAL
außerhalb Europas unverkäuflich.
Während der Übertragungsstandard für
HDTV in Europa auf der Satellitenseite noch offen war -
das heute bei DVB und DVD übliche MPEG2 beansprucht als
HDTV viel Übertragungskapazität, MPEG4 ist die logische
Folge, doch dafür mussten erst Empfänger entwickelt
werden - war also bei den Bildschirmen und Beamern alles
klar: Der Weg zu HDTV war frei! Bis vor etwa zwei
Monaten.
HDTV aufzeichnen: Unerwünscht. HDTV
anschauen: Ebenso
Da machte die Filmindustrie einen
unerwarteten Schwenk: Ab sofort ist nämlich
analog böse und digital gut.
Denn bei Videodisplays ist - im Gegensatz zum
Lautsprecher - am Ende kein Analogsignal mehr
erforderlich und bei LCDs auch technisch gar nicht mehr
existent: Das Bild besteht aus lauter einzelnen Punkten
und keinem kontinuierlichen Elektronenstrahl mehr wie
bei der Bildröhre. Da kann man ganz bestimmt nicht mehr
mitschneiden, wie es an einem Lautsprecheranschluss ja
durchaus möglich ist, wenn sonst nichts geht. Es gibt
zwar auch noch keine für den Normalverbraucher
bezahlbaren Aufzeichnungsgeräte für HDTV - Blue-Ray-Disk
und HD-DVD sind ja noch in der Entwicklung - aber
Hollywood hat bereits Angst. HDMI ist dagegen ein reiner
Standard für Bildschirme. Wer nur HDMI anbietet, hat
also Videorekorder jeder Technologie automatisch
ausgesperrt.
Und so wurde nun festgelegt: Wer
überhaupt Film- oder Fernsehrechte - beispielsweise für
Sportereignisse - aus den Staaten bekommen will, der
muss an den Satellitenempfängern die analogen Ausgänge
abschalten. Oder darf an diesen maximal ein normales
PAL-Signal liefern. Heutige Beamer und Fernseher werden
also kein HDTV-Bild liefern, sondern entweder gleich
einen schwarzen Schirm oder nur ein Normalbild. Lange
Gesichter deshalb beim ersten deutschen HDTV-Anbieter,
dem Pay-TV-Sender
Prem iere:
"Wir tun es ungern, doch wir haben gar keine andere Wahl
- entweder wir strahlen wie von den Studios gewünscht
mit Kopierschutz aus - oder wir bekommen erst gar kein
HDTV-Material zum Senden", so Pre miere-Sprecher Michael Jachan zu Telepolis. Und nur Satellitenempfänger, die
brav die Analogausgänge stilllegen, sobald mehr als
Testbild oder Werbung laufen, werden zum Empfang
zugelassen. Andere Geräte - oder Adapter, die aus dem
HDMI-Signal wieder ein normales Analogsignal erzeugen -
gelten dagegen als Kopierschutzknacker: Wer sie
einsetzt, riskiert Ärger, wer sie herstellt oder
importiert, sogar noch viel mehr Ärger.
Sharp als LCD-TV-Pionier steht nun
dumm da, wenn ausgerechnet die Vorreiter-Kunden wieder
einmal vor den Kopf gestoßen werden. Zudem ist auch die
zukünftige Handhabung des Tons unklar: Das zu HDTV
geplante "Super-Dolby" soll auch über den HDMI-Stecker
laufen, die heutigen optischen Digitalausgänge bleiben
dann stumm bzw. dunkel und die analogen liefern maximal
zwei Kanäle und somit kein Surround. Damit kommt
ausgerechnet der gute Ton plötzlich nur noch aus den
Lautsprechern am Fernseher - die teure Surroundanlage
bleibt komplett außen vor. Außer, auch der Verstärker
wird auf HDMI umgestellt. Der Heimkino-Aspirant kann
also eigentlich noch mal komplett neu einkaufen und dann
noch nicht einmal aufnehmen. Und vor der Funkausstellung
im August ist noch nicht einmal klar, was man denn
überhaupt kaufen soll, ohne mit einer später nicht
zusammenspielenden Gerätschaft dazustehen.
Unerwartet konsequenter Schritt der
Hersteller: "Weniger ist mehr!"
Das macht auch der verrückteste
Heimkinofreak nicht mit. HDTV ist 1989 mit D2-Mac
bereits einmal gescheitert; eine Wiederholung des
Debakels mit HDMI ist nun wahrscheinlich: Niemand gibt
Zehntausend Euro oder mehr für die Launen der
Filmstudios aus - dafür kann man ja bereits ein kleines
echtes Kino erwerben. Neue Übertragungsstandards haben
es hierzulande ohnehin erstmal schwer: Das Digitalradio
DAB
ist in Deutschland teils seit 10 Jahren empfangbar und
passende Geräte kosten nur noch etwa 200 Euro, doch nach
anderen, zuvor gescheiterten Systemen wie dem digitalen
Satellitenradio DSR oder dem nun langsam aussterbenden
deutschen Alleingang ADR (Astra-Digitalradio, ein
Zwitter, der auf analogen Satellitenkanälen ein
Digitalsignal ausstrahlt und praktisch nur von
ARD-Radiosendern genutzt wird) haben die Käufer einfach
kein Vertrauen mehr und streiken.